Bericht zur Jahreshauptversammlung 2025 in Schwerin

Die diesjährige Jahreshauptversammlung der Deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V. fand vom 22. bis zum 24. Mai in Schwerin statt. Die Hauptstadt des Landes Mecklenburg-Vorpommern hat für historisch Interessierte viel zu bieten, auch abseits des berühmten Residenzschlosses der Mecklenburger Großherzöge. […] In den letzten drei Jahrzehnten wurde zudem das historische Stadtzentrum erstklassig saniert und bietet mit seinen zahlreichen Restaurants und Hotels eine hervorragende Infrastruktur für Tagungen. Organisiert und vorbereitet wurde die Jahreshauptversammlung 2025 vom Arbeitskreis Mecklenburg-Vorpommern der Gesellschaft unter Leitung von Herrn Knut Matzat.

Exkursionstag
Freitag, der 23. Mai stand traditionell im Zeichen der Exkursionen. Zunächst ging es von Schwerin nach Demen ins dortige Raketenmuseum. Der Militärhistorische Verein Demen e.V. betreibt dort eine Ausstellung zur Geschichte des ehemaligen NVA-Standortes bzw. der ehemaligen Warnow-Kaserne der Bundeswehr und der in Demen zwischen 1975 und 2006 stationierten Verbände.

Im Raketenmuseum Demen

Mit den ausgestellten Exponaten, wie Schnittmodellen von Raketen, originalen Transport- und Ladefahrzeugen, Teilen von Startrampen aus ehemaligen Beständen der NATO und des Warschauer Vertrages, wird eindrucksvoll die Geschichte des Kalten Krieges bis 1990 dargestellt. Ein Schwerpunkt ist das Zeigen der technischen Funktionen von Raketen, der geplante Einsatz von Kernwaffen und die Sensibilisierung für die heute bestehenden Risiken vor dem Hintergrund der Aufkündigung des INF-Vertrages. Das Museum verfügt über eine beeindruckende Sammlung von Raketenmodellen, Gefechtsköpfen und anderen militärischen Ausrüstungen. Darunter befinden sich auch seltene Stücke wie das Gefechtskopfmodell der Rakete „Nike Herkules“.

Nach einer zünftigen Mittagspause wurde der Exkursionstag am Nachmittag im Mecklenburgischen Kutschenmuseum in Kobrow fortgesetzt. Das äußerst professionell geführte Privatmuseum beeindruckt aufgrund der Größe der Ausstellungsfläche und der Vielzahl der ausgestellten Objekte. Im Jahre 2003 entstanden die ersten Ideen zum Aufbau eines Kutschenmuseums auf dem Gelände des ehemaligen Volkseigenen Gutes in Kobrow. 2006 begann dann der Museumsbetrieb, der schnell immer mehr ausgeweitet wurde. Heute werden in fünf Hallen mit einer Ausstellungsfläche von 3.240 Quadratmetern 191 von 216 Fahrzeugen und Kutschen mit Zubehör präsentiert. Darunter befinden sich Reise- und Ausfahrwagen, Kutschen, wirtschaftlich genutzte Wagen, Postkutschen, Milchwagen und Flaschenbierwagen, Beerdigungswagen, Kinderfahrzeuge und Pferdeschlitten, pferdegezogene Militärwagen, Feldküchen, Jagdwagen, Pferdegeschirr und Reisezubehör. Die Exponate stammen aus der Zeit zwischen 1800 und 1950 und zeigen die große Vielfalt an Bauarten von Fahrzeugen.

Im Mecklenburgischen Kutschennuseum in Kobrow

Im Museum sind Wagen, Kutschen, Schlitten und Zubehör aus 13 Nationen zu sehen: Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Niederlande, Österreich, Polen, Russland, Schweiz, Tschechien, Ungarn und USA. Das Mecklenburgische Kutschenmuseum besitzt auch einen umfangreichen Bestand von Kutschen aus fürstlichen und königlichen Marställen.

Vortragsreihe
Das Vortragsprogramm fand am Vormittag des 24. Mai in der Aula der Volkshochschule „Ehm Welk“ in Schwerin statt. Zunächst referierte Herr Carsten Richter über die Tankschlacht bei Cambrai im November 1917. Er konstatierte, dass es zahlreiche Fotos zu diesem bedeutenden militärhistorischen Ereignis aus dem Ersten Weltkrieg gibt. Der Masseneinsatz des neuen Waffensystems „Tank“ habe eine große Faszination auf die Zeitgenossen ausgeübt. Folglich seien zahlreiche Fotos von zerstörten Panzerkampfwagen nach der Schlacht angefertigt worden. Anhand von vier Fallbeispielen erläuterte er den Einsatz der Fahrzeuge, die Geschichte ihrer Zerstörung und Bergung. Der britische Mark IV F.22 „Flying Fox II“ brach auf der Kanal-brücke von Masnières ein und blieb im Scheldekanal liegen.

Carsten Richter referiert über die Tankschlacht bei Cambrai im November 1917

D.51 „Deborah“ durchbrach als einziger Tank die Ortschaft Flesquières und wurde danach ostwärts des Dorfes von deutscher Feldartillerie zerstört. C.47 „Conquerer II“ wurde in Fontaine-Notre-Dame von Soldaten des Reserve-Infanterie-Regimentes 52 im Nahkampf ausgeschaltet. Dieser Panzer, der das Pique-Ass als Kompaniezeichen auf dem Rumpf trug, wurde sehr häufig fotografiert, vor Ort ausgeschlachtet, später geborgen und von deutscher Seite während der „Michael-Offensive“ im Frühjahr 1918 weitergenutzt. B.57 „Blarney Castle“ nahm am 23. November 1917 am Angriff auf Fontaine-Notre-Dame teil und wurde dort von der K-Flak-Batterie 7 abgeschossen. Auch er war im Nachgang ein beliebtes Fotomotiv und wurde im Winter 1917/18 ausgeschlachtet.

Der folgende Vortrag von Herrn Knut Matzat widmete sich der mecklenburgischen Militärgeschichte. Er setzte sich dabei mit dem Quellenwert historischer Filmaufnahmen für die heereskundliche Forschung auseinander. Es wurden Filmausschnitte von Staatsbesuchen des Deutschen Kaisers und des Königs von Dänemark beim Mecklenburger Großherzog in Schwerin zu Beginn des 20. Jahrhunderts gezeigt. Mit Hilfe dieses sehr seltenen Materials lassen sich Details zur Trageweise von Uniformen, protokollarische Abläufe und militärisches Zeremoniell gut nachvollziehen. Allerdings hat sich nur sehr wenig Filmmaterial aus dieser Zeit erhalten.

Herr Jens Dettmann beschäftigte sich in seinem Vortrag mit den Fahnen der mecklenburgischen freiwilligen Jäger 1813. Die Stimmung in Mecklenburg sei 1813 „aufgeregt“ und „kampfeslustig“ gewesen. Das Land verließ am 14. März 1813 den Rheinbund und Herzog Friedrich Franz I. rief wenige Tage später sein Volk zu den Waffen, um gegen die Franzosen zu kämpfen. In der Folge wurden Freiwilligenverbände aufgestellt, deren erhalten gebliebene Fahnen sich heute im Stadtmuseum in Güstrow befinden. Diese Feldzeichen hatten sowohl ungewöhnliche Formate (z.B. oval) als auch Symboliken (z. B. Stockanker mit Getreidepflanzen). Die gewählten Devisen (z. B. „Durch Sieg Friede“) entsprachen indes dem damals vorherrschenden Zeitgeist und waren weit verbreitet. Die vorgestellten Feldzeichen wurden im Feldzug gegen Frankreich von Mai 1813 bis Juli 1814 geführt.

Abschließend sprach Herr Manfred P. Schulze über militärische Erinnerungskultur anhand überlieferter Zeugnisse vergangener Kriege. Als Artilleriefachmann konzentrierte er sich dabei vor allem auf Artefakte wie eingemauerte Kanonenkugeln (z.B. Kloster zum Heiligen Geist in Stralsund), nicht beseitigte Trefferbilder an historischen Gebäuden (z.B. Burg von Tarascon in der Provence) und Glocken mit entsprechenden Inschriften, die auf kriegerische Ereignisse verweisen (z.B. Stephansdom Wien).

Jahreshauptversammlung
Nach der Vortragsreihe fand am Nachmittag des 24. Mai die Jahreshauptversammlung ebenfalls in der Aula der Volkshochschule „Ehm Welk“ in Schwerin statt. Dazu erschienen 34 stimmberechtigte Mitglieder der Gesellschaft. Nach der Begrüßung der Anwesenden und Feststellung der ordnungsgemäßen Einladung durch den Vorstandsvorsitzenden der Gesellschaft, Herrn Dr. Frank Wernitz, erhoben sich die Anwesenden zum Gedenken an die fünf seit der letzten Jahreshauptversammlung im Mai 2024 in Wiener Neustadt verstorbenen Mitglieder.

Im Anschluss erfolgte der Bericht des Sekretärs Herrn Holger Hase. Auf eine Mitgliedschaft von 50 Jahren konnte im Jahr 2025 Herr Klaus-Peter Bohl aus Frankfurt am Main zurückblicken. Der Jubilar bekam dafür die Goldene Ehrennadel verliehen. Da er nicht nach Schwerin anreisen konnte, wird ihm die Ehrennadel postalisch zugestellt. Herr Dr. Wernitz teilte in diesem Zusammenhang mit, dass der Vorstand aus seiner Sitzung am 22. Mai 2025 einstimmig beschlossen hatte, dass in diesem Jahr auch Herrn Rolf Selzer und Herrn Jürgen Lindner aufgrund ihrer Verdienste um die Heereskunde die Goldene Ehrennadel verliehen wird. Im Anschluss erfolgte die Auszeichnung von Herrn Rolf Selzer, der im Saal anwesend war, durch den Vorsitzenden. Herrn Jürgen Lindner wird die Ehrennadel ebenfalls postalisch zugestellt. […]

Vorsitzender Dr. Frank Wernitz zeichnet Rolf Selzer mit der Goldenen Ehrennadel aus

Herr Dr. Werner Trolp referierte über die Arbeit der Redaktion der „Zeitschrift für Heereskunde“. Er dankte zunächst seinem Co-Redakteur Ulrich Herr, der leider nicht anwesend sein konnte. Leider gehe der Vorrat an Aufsätzen zurück, daher bat er um Zuarbeit neuer Beiträge durch die Mitglieder. Der gedruckte Gesamtindex ist digitalisiert und bis Ende 2024 aktualisiert, Volltextsuche sei möglich. Die Verschlagwortung soll allerdings überarbeitet werden. Derzeit arbeite das System nur mit vier Schlagworten pro Aufsatz. Das soll ausgeweitet werden. Problematisch seien Abkürzungen, da diese von den Autoren nicht einheitlich verwendet würden. Herr Dr. Frank Wernitz bedankte sich ausdrücklich für die Arbeit der Redaktion. Die Zeitschrift sei ein Qualitätsprodukt, das Aushängeschild der Gesellschaft und ein wichtiges Nachschlagewerk für alle heereskundlich Interessierten. […]

Herr Dr. Frank Wernitz verwies auf die Jahreshauptversammlung 2026. Diese wird vom 7. bis zum 9. Mai 2026 in Königgrätz (Tschechien) stattfinden. Die Veranstaltung soll wieder gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Heereskunde organisiert werden, möglicherweise unter Hinzuziehung von Tschechen und Ungarn. Dazu wird eine Erkundung vom 20. bis zum 22. Juni 2025 stattfinden, um die Verhältnisse vor Ort abschätzen zu können.

(Die Abhandlung der weiteren Tagesordnungspunkte können Sie im gedruckten Heft nachlesen.)

Holger Hase, Sekretär